Nie wieder ist jetzt! Der Kinderhauser Anton Hemesath als Opfer des Nationalsozialismus

Gedenktafel für Anton Hemesath an der Friedhofskapelle von Kinderhaus

Hand auf’s Herz: Wer kennt den Namen Anton Hemesath? Mir sagte er bis vor ein paar Tagen offen gestanden gar nichts, obwohl ich mich sehr für die Geschichte der NS-Zeit interessiere und obwohl an der Friedhofskapelle von Kinderhaus seit Dezember 2004 eine Gedenktafel an den gebürtigen Kinderhauser und sein Schicksal erinnert.

Die Geschichte begann im April 1932, als Hemesath, geboren 1906, Nazi-Parolen von der Kinderhauser Pfarrkirche St. Josef entfernte. Er wohnte an der Grevener Straße 421, war Mitglied der Kirchengemeinde St. Josef und einer Organisation, die sich „Katholische Liga“ nannte und aktiv gegen die extremistischen Parteien KPD und NSDAP einsetzte, die auch in Münster längst der Demokratie den Kampf angesagt hatten und dabei mit Aufmärschen, Schlägereien und eben auch Schmierereien die Macht auf den Straßen zu erobern versuchten.

Zwei Wochen später, am 1. Mai 1932, lauerte ein SA-Trupp Hemesath auf und verletzte ihn mit einer Eisenstange schwer am Kopf. Der 26-Jährige wurde sofort in die Uniklinik eingeliefert und überlebte so den Anschlag; er schien Glück gehabt zu haben. Im Juli 1933 heiratete er seine Verlobte Bernhardine, wenig später wurde ihr erstes Kind geboren. Doch der Anschlag hatte ihn für sein Leben gezeichnet; er litt an ständigen, heftigen Kopfschmerzen und starken gesundheitlichen Einschränkungen. Am 21. November 1934 starb Hemesath dann mit nur 28 Jahren an den Spätfolgen seiner schweren Kopfverletzungen. Da war seine Frau zum zweiten Mal schwanger, im Mai 1935 kam sein Sohn Tono zur Welt, der seinen Vater nie kennengelernt hat. Erst 1956 erhielt seine Witwe vom Regierungspräsidenten die lang erkämpfte Anerkennung ihres Mannes als politisch Verfolgter und Opfer des NS-Regimes. Die Täter scheinen übrigens aus Kinderhaus gewesen zu sein, jedenfalls soll Hemesath sie erkannt haben, sie wurden aber nie angeklagt.

Was uns das heute noch angeht? Wir erleben gerade, wie verletzlich unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung ist. Nicht nur in den USA und anderen Ländern der Welt, sondern auch hier in Deutschland mehren sich Stimmen, die grundlegende Prinzipien der Demokratie – wie die Toleranz gegenüber anderen Meinungen, Lebensstilen und Herkünften, den Minderheitenschutz, eine unabhängige Rechtsprechung, das Recht auf Asyl für politisch Verfolgte u.a.m. – aushebeln wollen oder jedenfalls gering schätzen. Das Schicksal der Weimarer Republik, die von den Nationalsozialisten 1933 zerstört wurde, mahnt uns wachsam zu sein, wenn wieder einfache Antworten auf komplexe Fragen gegeben, wenn Desinformation zu „alternativen Fakten“ erklärt, demokratische Prozesse verunglimpft und Minderheiten diskriminiert werden.

Aber das kurze Leben von Anton Hemesath steht auch für die Bedeutung von Zivilcourage und die Bereitschaft, für christliche und demokratische Überzeugungen aktiv einzutreten – auch und gerade, wenn das nicht auf den Beifall der Umstehenden trifft. Wir sollten diesen mutigen Mann und alle Antifaschisten, die vor und nach 1933 ihr Leben lassen mussten, auf keinen Fall vergessen. Sonst könnte sich die Geschichte wiederholen. (MK im Februar 2026)

Anton Hemesath (1906-1934)
Anton Hemesath (1906-1934)
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