St. Marien-Kirche

Bilder – Figuren – Fenster in der St. Marien-Kirche in Sprakel

Die St. Marienkirche wurde 1976/77 gebaut und folgte der alten Kirche aus dem Jahre 1934, aus der viele Dinge übernommen wurden. 

Beim Betreten des Kirchenvorraumes fällt der Blick auf eine Mariendarstellung, das „Gnadenbild unserer Lieben Frau von der immerwährenden Hilfe“. Dieses Bild hing schon in dem Klassenraum der Volksschule, als dort noch der Sonntagsgottesdienst gefeiert wurde, bevor die erste Kirche errichtet wurde. 

Die figürlichen Darstellungen von Maria, Josef, Antonius von Padua und dem Apostel Judas Thadäus stammen ebenso aus der alten Kirche. Es ist nur bekannt, dass das Holz, aus dem sie angefertigt wurden von Gemeindemitgliedern gestiftet und in einer örtlichen Schreinerei verleimt wurde. Wer sie angefertigt hat, weiß man nicht. Der Kreuzweg stammt von einem Künstler namens Graskamp, über den allerdings weiter nichts bekannt ist. Der Kreuzweg hat eine Besonderheit, obwohl er wie alle Kreuzwege vierzehn Stationen hat, gibt es eine neunzehnte Station. Der Künstler beherrschte wohl die römischen Zahlzeichen nicht und schrieb statt der XIV eine XIX.

Das Altarkreuz stammt von dem Künstler Rasche aus Mühlheim-Ruhr und ist ein Geschenk der evangelischen Kirchengemeinde. Der Künstler gestaltete auch den Altar, das Ambo und den Taufbrunnen, der ursprünglich auch im Altarraum stand.

Auch die Fenster in den Fensternischen stammen aus der alten Kirche. Vier dargestellte Personen stehen in einem Namensbezug zur jeweiligen Stifterfamilie: Der heilige Georg, Johannes der Täufer, die heilige Elisabeth und die heilige Hedwig.

Das Bild der „Maria immaculata“ ist mit einem Erinnerungsdatum versehen:14.September 1914. An diesem Tag hat ein Mann aus Sprakel, der im ersten Weltkrieg als Soldat in eine lebensbedrohliche Situation geraten war, das Gelübde abgelegt, ein Marienbildnis zu stiften, würde er lebend nach Hause kommen. Dieses Versprechen hat er mit der Stiftung des Fensterbildes eingelöst.

Eine Besonderheit ist das Bild von Konrad von Parzham. Dieser war erst im Mai 1934 heiliggesprochen worden und schon bei der Einweihung der Kirche im Oktober des gleichen Jahres gab es in Sprakel dieses Fensterbild, wahrscheinlich eines der ersten überhaupt. Es dürfte damit zu tun haben, dass Konrad Kapuziner war, also Mitglied des Ordens, der bis 1937 Sprakel seelsorgerisch betreute. Die Heiligsprechung wurde damals übrigens von den politisch Mächtigen mehr als argwöhnisch betrachtet, da der einfache Mönch aus Altöttingen so überhaupt nicht dem Idealbild eines Deutschen entsprach, mit dem man sich selber gerne darstellen wollte.

 

Die drei Bilder der Kreuzigungsgruppe neben der Tür zur Sakristei waren in der alten Kirche über der Eingangstür auf der Orgelbühne angebracht. Die meisten Sprakeler werden sie dort gar nicht richtig zu Gesicht bekommen haben, da man sie nur von der obersten Stufe des Altarraumes aus komplett sehen konnte. Die beiden kreisförmigen Fenster zeigen zum einen eine Taube, dies war früher über dem Taufbrunnen angebracht; zum anderen die Namen der Männer, die im ersten Weltkrieg gefallen sind. Die Namen der Gefallenen des 2.Weltkrieges sind auf dem Michael-Altar festgehalten.

Für alle alten Fenster gilt, dass die Künstler, die sie hergestellt haben unbekannt sind. Ganz im Gegensatz zu dem, der die neuen Fenster gestaltet hat. Ludwig Schaffrath lehrte an Universitäten auf der ganzen Welt und es gibt viele bedeutende Glasmalereien von ihm. Anders als bei den altvertrauten Fenstern taten sich die Sprakeler aber von Anfang an mit den Eckfenstern schwer: man konnte darauf nichts erkennen. Mit etwas Phantasie konnte man nur eine Männer- und eine Frauenseite zuordnen …

Noch einmal in den Vorraum: Dort steht neben der Stehle mit dem Totengedenken das Kreuz aus der ehemaligen Wegkapelle beim Hof Rösmann.

(HR)

Bildquelle: Stiftung Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jh. e.V.